Ärztehaus Kornwestheim Gemeinschaftspraxis für urologie

Therapieschwerpunkte

Benigne Prostatahyperplasie / BPH-Syndrom

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Bei ca. 60 % der Männer kommt es ab dem 50. Lebensjahr zu einer gutartigen, knotenartigen Vergrößerung der Drüsen in der Prostata. Hierbei vergrößern sich die so genannten inneren periurethralen Drüsen (Transitionalzone) mit Verdrängung des restlichen Prostatagewebes. Benigne Prostatahyperplasie, BPH-Syndrom oder benignes Prostatasyndrom sind ähnliche Bezeichnungen für die ausschließlich gutartige, altersabhängige Prostatavergrößerung. Unter „LUTS“ (lower urinary tracts syndrom) versteht man alle Beschwerdebilder, die durch die gutartige Prostatavergrößerung verursacht werden können.

 

Anatomie der Prostata

Untersucht man die Prostata im Detail genauer, können wir 4 unterschiedliche Zonen in der Prostata unterscheiden.

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  1. Anteriores fibromuskuläres Bindegewebe mit wenig Prostatazellen.
  2. Die periphere Zone, die anatomisch dem Enddarm zugewandt ist. Wird die Prostata mit dem Finger getastet, lässt sich nur diese periphere Zone. untersuchen. Diese Zone ist der Hauptentstehungsort des Prostatacarcinoms.
  3. Die zentrale Zone.
  4. Das präprostatische Gewebe mit der Übergangszone. Aus diesem kleinen Drüsenareal allein entsteht mit zunehmendem Lebensalter die benigne Prostatahyperplasie.
  5. Die prostatische Harnröhre verläuft längs durch die Prostata

Ursachen der BPH Entstehung / Symptome und Beschwerden

Die Ursache der BPH Entstehung ist nicht eindeutig geklärt. Hierbei wird ein Wechselspiel von Wachstumsfaktoren, embryonalen Prostatazellen, unterschiedliche Testosteron- und Östrogenwirkung als ursächlich angesehen.
Symptome und Beschwerden werden vom Betroffenen meist erst dann bemerkt, wenn durch Volumen- und Größenzunahme der Prostata der Blasenboden gereizt oder die prostatische Harnröhre eingedrückt wird. Ein verzögerter Miktionsbeginn sowie eine verlängerte Miktionszeit, abgeschwächter Harnstrahl oder häufiges Wasserlassen wird bemerkt. Das Gefühl einer unvollständigen Harnblasenentleerung, nächtliches Wasserlassen oder gar Schmerzen beim Urinieren treten auf.

Diagnostik

Im Rahmen der jährlichen Vorsorgeuntersuchung oder bei Beschwerdesymptomatik wird die Prostata getastet. Hierbei handelt es sich um eine schmerzfreie Untersuchung, in der Größe, Form und Konsistenz der Prostata beurteilt werden.
Mit der Ultraschalluntersuchung können zusätzliche Mehrinformation wie Größe und Ausdehnung beurteilt werden. Um zwischen gut- und bösartigen Tumoren unterscheiden zu können, lassen sich mit dem transrektalen Ultraschall weitere Hinweise gewinnen.
Röntgenologisch lassen sich mit der Ausscheidungsurographie, der Miktionscysturethrographie und der Urethrographie weitere diagnostische Hinweise erbringen.
Urin- und Blutlaboruntersuchungen (PSA) sind essentieller Bestandteil einer sinnvollen Diagnostik auf die nicht verzichtet werden sollte. Besteht der Verdacht auf eine bösartige Veränderung der Prostata, wird die Prostatastanzbiopsie durchgeführt. Hierbei wird eine Gewebsprobe unter sonographischer Sicht aus der Prostata entnommen. Bei einer fortgeschrittenen Prostatavergrößerung ist es sinnvoll mittels Cystoskopie den Grad der Prostataobstruktion zu beurteilen.

Medikamentöse Therapie

Beschwerden, die durch die Prostatavergrößerung hervorgerufen werden (LUTS), lassen sich durch unterschiedliche medikamentöse Therapien verbessern. Welches Medikament gegeben wird, ist vom Schweregrad der BPH abhängig.

Im Stadium 1 werden homöopathische, phytotherapeutische Mittel angewandt. Im Stadium 2 und 3 kommen Alphablocker und 5-Alphareduktasehemmer zum Einsatz.
Als phytotherapeutische Arzneimittel werden Sägepalmenfrucht, Kürbissamen, Roggenpollen oder Brennesselwurzelextrakte verwendet. Die Phytotherapeutika haben häufig einen entzündungshemmenden und abschwellenden Effekt an der Prostata. Die Reizsymptomatik des BPH Syndromes wird reduziert und der Urinabfluß erleichtert. Alpha-1-Rezeptorenblocker bewirken eine Lockerung der vielen kleinen Muskelzellen, die in der vergrößerten Prostata und am inneren Blasenschließmuskel enthalten sind. Durch diese medikamentös ausgelöste Muskelentspannung kommt es zur erleichterten Blasenentleerung, der Abflusswiderstand in der Prostata wird gesenkt und der Urinfluß verstärkt. Durch neue selektive Alpha-1c-Rezeptorenblocker wie Tamsulosin treten relativ selten Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall, Schwindel und Kopfschmerzen auf.

5-Alphareduktasehemmer wie das Finasterid sind Wirkstoffe, die in den Testosteronstoffwechsel innerhalb der Prostata eingreifen. Testosteron wird nicht mehr in das stärker wirksame Dihydrotestosteron umgewandelt. Somit wird weiteres Zellwachstum innerhalb der Prostata gehemmt. Wichtig ist zu wissen, dass 5 Alphareduktasehemmer den PSA-Wert um bis zu 50% senken können. Libidoverlust oder ein Spannungsgefühl im Bereich der Brustwarzen können als Nebenwirkungen auftreten.

Operative Therapie

Ist mit der medikamentösen Therapie keine Verbesserung des BPH Syndroms zu erreichen oder die Miktionsverhältnisse verschlechtern sich weiterhin, wird die operative Therapie empfohlen. Im Laufe der Zeit wurden unterschiedliche operative Techniken entwickelt. Goldstandart ist die transurethrale Resektion der Prostata mit geeignetem Narkoseverfahren.

Transurethrale Resektion (TURP)

Die transurethrale Resektion der Prostata ist das häufigste, am längsten durchgeführte und am besten erprobte Prostataoperationsverfahren. Hierbei wird durch die Harnröhre das Operationsinstrument eingeführt. Mit dem innen liegenden Arbeitselement wird die Prostata Stück für Stück „ausgehobelt“. Die so gewonnenen Resektionsspäne werden über eine Spülung entfernt. Sämtliches Prostatagewebe, welches den Harnabfluss behindert hat, wird dadurch entfernt, während die Prostatakapsel bestehen bleibt. Dank neuer Operationsgeräte konnte die Rate von Komplikationen wie Nachblutung, TUR Syndrom, Nebenhodenentzündung oder Harninkontinenz verringert werden. Nach der TUR-Prostata bleibt Libido, Erektion und Orgasmusfähigkeit erhalten. Die Ejakulation verläuft allerdings retrograd (rückwärts), das bedeutet, dass Samenflüssigkeit nicht mehr über die Harnröhre austritt, sondern in die Blase gelangt.

Transurethrale Incision der Prostata (TUIP)

In manchen Fällen ist es ausreichend die transurethrale Zone der Prostata zu entfernen, um einen zufrieden stellenden Urinfluß durch die Prostata erzielen zu können. Bei der TUIP wird die Prostata im Bereich der prostatischen Harnröhre eingekerbt und erweitert.

Offene Operationstechniken

Bei äußerst großvolumigen Prostaten ab 80 Gramm ist die offene operative Therapie weiterhin eine sinnvolle Methode. Hierbei kann schnell ein großvolumiges Prostataadenom entfernt werden. Dieses Verfahren ist umso sinnvoller, wenn gleichzeitig Harnblasensteine vorliegen und selbige mit entfernt werden müssen oder ein Harnblasendivertikel während der gleichen Operation mit operativ entfernt wird.
Hier hat sich die offene Operationstechnik nach Harris bewährt.

Transurethrale Dilatation

Bei der transurethralen Dilatation wird ein Harnblasenkatheter in die prostatische Harnröhre eingelegt. An der Spitze dieses Katheters lässt sich ein kleiner Ballon unter hohem Druck schnell aufblasen. Hierbei kommt es zu einer Erweiterung der prostatischen Harnröhre. Dieses unblutige Verfahren führt nur in 25 % der Fälle zum Erfolg und gehört deshalb nicht zur Therapie der ersten Wahl.

Transurethrale Laseroperation

Auch Prostataoperationen können mit Laserverfahren durchgeführt werden. Je nachdem welches Laserverfahren angewendet wird, bewirkt die angewendete Laserenergie am Prostatagewebe einen Verdampfungs- , Verkohlungs- oder Denaturierungseffekt. Prostatagewebe, welches mit Laser behandelt wurde, stirbt nach der Behandlung ab oder wurde verdampft. Die prostatische Harnröhre wird wiederum frei, der Urinabfluß wird erleichtert.
Die Operationszeiten sind verglichen mit der TURP meistens kürzer, die Gefahr der Nachblutung deutlich geringer. Nachteile bei der Lasertherapie sind allerdings die hohen Kosten.

Transurethrale Mikrowellenthermotherapie (TUMT)

Bei der TUMT wird eine Niedrigenergie TUMT und eine Hochenergie TUMT unterschieden. Bei diesem Verfahren wird durch die Harnröhre das Gewebe durch Mikrowelleneinstrahlung erhitzt. Bei der Niedrigenergie TUMT kommt es zu einer Erhitzung bis 50 Grad. Bei der Hochenergie TUMT werden Temperaturen von über 50 Grad erzeugt. Die Hochenergie TUMT zeigt eine deutlich schnellere und größere Abnahme des Prostatagewebes. Die TUMT ist ein Verfahren, das ambulant mit oder ohne Narkose angewendet werden kann. Nicht selten ist eine einmalige Therapie nicht ausreichend und muss wiederholt werden. Das Komplikationsspektrum ist verglichen mit der TURP geringer, aber auch hier sind Nachbehandlungen mit Einlage eines Dauerkatheters möglich.

Transurethrale Nadelablation der Prostata (TUNA)

Bei der transurethralen Nadelablation (TUNA) kann Prostatagewebe auf bis zu 100Grad erhitzt werden. Hierbei werden feine Nadeln an unterschiedlichen Stellen der Prostata platziert. Über diese Nadeln werden Radiofrequenzwellen abgegeben, die das umgebende Gewebe erhitzen und zerstören. Mit der Zeit wird das abgestorbene Prostatagewebe abgetragen, es kommt wiederum zu einer Erweiterung der prostatischen Harnröhre, der Urinabfluß durch die prostatische Harnröhre wird erleichtert. Dieses Verfahren kann ambulant mit oder ohne Narkose angewendet werden. Meistens kommt es nach der Behandlung zu einer Verschlechterung der Miktionsverhältnisse, so dass die Einlage eines Urindauerkatheters erforderlich und sinnvoll ist.

Thermoverfahren

Bei den Thermoverfahren lassen sich unterschiedliche  Techniken darstellen. Hyperthermie, transurethrale Thermotherapie, sowie die Thermoablation. Ihnen allen gemeinsam ist die Wärmeapplikation im Prostatabereich. Durch Temperaturen zwischen 40 und 70 Grad kommt es wiederum zur Gewebsnekrose und Zerstörung von Prostatagwebe, welches den Urinabfluß verhindert. Primär ist von diesen Therapieverfahren abzuraten, da die Wärmeapplikation schlecht steuerbar ist, benachbarte Organe wie Schließmuskel können mit zerstört werden. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie hat zu diesem Therapieverfahren eindeutig Stellung genommen und ist der Ansicht, dass diese Verfahren keinen sinnvollen Therapieeffekt erzeugen.

Prostatastents

Hierbei handelt es sich von der Idee um ein schonendes und ein einfaches Verfahren. Bei diesen Stents handelt es sich um Metallgeflechtröhrchen, die in die prostatische Harnröhre eingelegt werden und dort für eine Weitstellung der prostatischen Harnröhre sorgen, so dass es zu einem ungehinderten Urinabfluß kommen kann. Leider hat die Erfahrung gezeigt, dass diese Röhrchen häufig verrutschen und komplikationsträchtig sind. Des Weiteren treten wiederkehrende Harnwegsinfektionen und Harnsteinbildungen entlang des Metallgeflechtes auf, so dass diese Stents oft wieder in Narkose entfernt werden müssen. Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie wird die Implantierung von Stents nur bei Hochrisikopatienten empfohlen.

Prophylaxe / Vorbeugung

Ab dem 45. Lebensjahr kann jeder Mann einmal jährlich an der kostenlosen und schmerzfreien Früherkennungsuntersuchung der Prostata teilnehmen. Prostatakrebs, aber auch BPH können so frühzeitig entdeckt werden.
Zusätzlich können wir Ihren PSA-Wert bestimmen. Wir sind der festen Überzeugung, dass das Thema Komplementärmedizin bei BPH und Prostatacarcinom mit zu beachten ist. Der Einsatz von Vitaminen, Spurenelementen und Nahrungsergänzungsstoffen verringert wahrscheinlich das Risiko an einer ausgeprägten BPH oder an einem Prostatacarcinom zu erkranken. Abschließende Daten werden 2013 durch bereits begonnene, groß angelegte Studien mit über 30.000 Probanten erwartet.
Eines steht allerdings aber bisher schon sicher fest. Die Incidenz des Prostatacaricnoms ist in asiatischen Ländern um das 10 – 100 fache geringer als in westlichen Industriestaaten. Oftmals angeführte so genannte Stressfaktoren können für diesen Unterschied wohl nicht verantwortlich sein, da die Menschen in Japan oder Südkorea in ihrer Berufs- und Arbeitswelt sicherlich nicht weniger so genannten Stressfaktoren ausgesetzt sind als wir hier in Europa. Vergleichende Daten aus Japan und den USA haben gezeigt, dass US-Amerikaner eine 10-50fach höheres Risiko haben an Prostatakrebs zu erkranken als Japaner in ihrem Land.

Hochinteressant ist, dass so genannte Prostatacarcinomvorstufen (PIN prostatische intraepitheliale Neoplasie) bei allen Männern auf der ganzen Welt ähnlich häufig auftreten, das Risiko aber, an einem Prostatacarcinom zu erkranken in den einzelnen Ländern allerdings äußerst unterschiedlich ist. Japaner erkranken äußerst selten an einem Prostatacarcinom, obwohl diese Vorstufen oder auch Prostatacarcinom-Zellen bei Japanern nach dem Tod durch Sektion in hohem Masse nachgewiesen werden konnten. Diese Zellen blieben also okkult (versteckt), es kam nicht zur Erkrankung. Japaner die nach dem 2. Weltkrieg in die USA oder nach Hawai ausgewandert sind, zeigen jetzt in der 2. Generation bereits mehr als das 10 fach erhöhte Risiko ebenfalls an einem Prostatacarcinom zu erkranken. Ein wesentlicher Unterschied ist hierbei die Ernährung. In fernöstlichen Ländern wird deutlich weniger Fett konsumiert. Nahrung mir einem hohen Anteil an Soja, Omega-3-Fettsäuren (roher Fisch, Sushi) scheint als Schutzfaktor festzustehen. Unterschiedliche tierexperimentelle Versuche unterstützen diese Überlegungen.
Wir empfehlen daher Nahrungsergänzungsstoffe die Omega-3-Fettsäuren, Isoflavone und Selen aus natürlichen Grundprodukten enthalten. Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Praxis. Wissenschaftliche Daten