Ärztehaus Kornwestheim Gemeinschaftspraxis für urologie

Hodentumor

Allgemeines
Hodentumoren sind die häufigsten bösartigen Erkrankungen des jungen Mannes zwischen 20 und 35 Jahren. Pro Jahr erkrankt ein Mann unter 14.000 Männern auf das Neue an einem bösartigen Hodentumor. In den westlichen Ländern hat sich die Erkrankungsrat für den Hodentumor in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt. Als Grund hierfür werden Umwelteinflüsse diskutiert.
Der Hodentumor geht von den Keimzellen des Hodens aus. Die Keimzellen im Hoden haben unterschiedlich Namen und je nach Entwicklungsstadium der entarteten Keimzelle ergibt sich eine andere Hodentumorart. Liegt bei jungen Männern ein Leisten- oder Pendelhoden vor, entwickelt sich später häufiger ein Hodentumor, als bei den Männern , wo sich der Hoden ständig im Skrotum (Hodensack) befindet.

Diagnostik
Besteht der Verdacht auf einen Hodentumor, so kann durch Abtasten des Hodens, eine sonographische Untersuchung  und die Abnahme von Hodentumormarkern (Blutabnahme) die Verdachtsdiagnose Hodentumor bestätigt werden. Liegt der dringende Verdacht auf einen Hodentumor vor, wird der Hoden über einen Leistenschnitt (hohe inguinale radikale Semikastratio) opertiv in Narkose entfernt. Zum Ausschluß eines Zweittumors auf der anderen Seite, wird hier etwas Gewebe entnommen.
Der Pathologe untersucht den Hodentumor  und stellt die genaue Diagnose anhand der Gewebsuntersuchung. Hierbei unterscheidet man hauptsächlich zwei unterschiedliche Hodentumorarten. Die Seminome und die Nicht-Seminome.
Bei den Nicht-Seminomen handelt es sich um das embryonale Carcinom, Teratom oder Terato-Carcinom., Chorioncarcinom oder den Dottersacktumor.

Im weiteren Verlauf möchte man die Ausdehnung des Hodentumors feststellen.
Es wird deshalb das  CT Abdomen, CT Thorax, ggf. CT Schädel  durchgeführt. Ein Knochenszintigramm oder Kernspinuntersuchung können ergänzende Verfahren sein.

Therapie
Wie bereits beschrieben ist die Primärtherapie immer die Entfernung des Hodens durch die hohe, radikale inguinale Semicastratio und kontralaterale Hodengewebsentnahme. Auf Wunsch des Patienten ist es möglich an der operierten Seite  eine Hodenprothese einzusetzen. In Abhängigkeit von der Tumorart (Seminom/ Nicht-Seminom) und der Ausdehnung des Hodentumors wird das weitere Therapieprinzip festgelegt.
In aller Regel werden hier kombinierte Verfahren wie die  retroperitoneale Lymphadenektomie (Lymphknotenentfernung im Bauchraum), Chemotherapie oder Radiatio (Strahlentherapie) durchgeführt.

Welches Therapieschema bei welchem Hodentumor in Frage kommt, ist im Einzelfall zu klären. Die Therapie des Hodentumors ist stets eine interdisziplinäre Aufgabe.
Die Erkrankung Hodentumor gehört heute mit zu den am besten heilbaren Tumorerkrankungen.

Nierentumor

Allgemeines
Das Nierenzellcarcinom ist in Deutschland der 3. häufigste Tumor des Urogenitalsystems. Zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr tritt das Nierenzellcarcinom am häufigsten auf. Die Mehrzahl aller Nierentumoren (über 85 %) sind Nierenzellcarcinome. Bei den sonstigen Tumoren handelt es sich um seltene Formen wie Sarkome, Nephroblastome (Wilms Tumor im Kindesalter), sowie gutartige Nierentumoren, wie das Onkozytom oder Angiomyolipom. Diese gutartigen Nierentumore zeigen oft in der Sonographie oder im CT typische Befunde. Durch diese Befunde lässt sich die Gutartigkeit meist vermuten. Oftmals hilft jedoch nur die feingewebliche Untersuchung des Pathologen um eine sichere Aussage über Gut- oder Bösartigkeit stellen zu können.

Warum ein Nierenkrebs entsteht ist nicht sicher geklärt. Sicherlich haben Umwelteinflüsse eine wichtige Bedeutung, genauso wie eine familiäre Veranlagung. Weitere Risikofaktoren sind Schmerzmittelmissbrauch, erworbene cystische Nierenerkrankung, erhöhtes Lebensalter, die v. Hippel-Lindau-Erkrankung, Übergewicht oder erhöhter Alkoholkonsum, sowie zu viel fettreiches Essen. Nikotinabusus, sowie chronisch eingeschränkte Nierenfunktion sind weitere Rikikofaktoren.

Die Frühererkennung des Nierenzellcarcinoms ist besonders wichtig. Selbige lässt sich am besten sonographisch durchführen. Das Nierenzellcarcinom neigt leider selten zu Frühsymptomen. Treten Gewichtsverlust, Blutarmut oder eine Hämaturie (Blut im Urin) auf, deutet dies oft auf ein bereits fortgeschrittenes Stadium hin.

Diagnostik
Bei der Diagnostik des Nierenzellcarcinoms steht neben der Anamnese, Laboruntersuchungen wie Blut- und Urinwerte, die sonographische Diagnostik an erster Stelle. Hierbei können im Ultraschall Auffälligkeiten dargestellt werden. Das Nierenzellcarcinom wächst meistens als eine rundliche Raumforderung. Gegenüber einer normalen Nierencycste zeigt sich das Nierenzellcarcinom meist inhomogen und bei der Farbduplexsonographie lassen sich meistens im Nierentumor Durchblutungszeichen erkennen. Besteht der Verdacht auf ein Nierenzellcarcinom wird eine Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie durchgeführt. Mit diesen weiteren bildgebenden Verfahren lässt sich die Verdachtsdiagnose Nierenzellcarcinom erhärten. Spezifische Tumormarker für das Nierenzellcarcinom gibt es derzeit nicht. In Abhängigkeit von der Tumorausdehnung sind weitere Untersuchungen wie Knochenszintigraphie zum Ausschluß einer Knochenmetastase durch das Nierenzellcarcinom sinnvoll. Da die operative Therapie in aller Regel beim Nierenzellcarcinom angestrebt wird. sollte präoperativ eine Nierenszintigraphie und ein Ausscheidungsprogramm durchgeführt werden um die Harnablußverhältnisse, sowie die Nierenleistung der noch gesunden Niere mit beurteilen zu können.

Wird die Verdachtsdiagnose auf einen Nierentumorzapfen im Bereich der Nierenvene gestellt, ist eine Angiographie durchaus sinnvoll.

Therapie
Die Therapie des Nierenzellcarcinoms wird aufgrund der Tumorausdehnung festgelegt.

Nierenzellcarcinom lokal begrenzt
Handel es sich um einen Nierentumor der auf die Niere beschränkt ist und in den bildgebenden Verfahren wurde kein Verdacht auf eine Metastasierung geäußert, so ist die offene Nierenfreilegung mit einer Nierenteilresektion (nur ein Teil der Niere wird entfernt) möglich. Dieses Verfahren kann ebenfalls auch lapraskopisch durchgeführt werden. Zeigt sich der Nierentumor auf die Nieren beschränkt, aber es handelt sich um einen größeren Nierentumor der auch an einer operationstechnisch schwierigen Stelle sitzt, so wird in aller Regel die radikale Tumornephrektomie, d.h. die komplette Entfernung der Niere mit Nebenniere und den angrenzenden Lympfknoten im Lymphabflußbereicht durchgeführt. Diese Operationstechnik kann mittels Bauchschnitt durchgeführt werden. Ebenfalls ist heutzutage die laparoskopische radikale Nephrektomie möglich.

Nierenzellcarcinom metastasierend
Beim fortgeschrittenen Nierenzellcarcinom zeigt sich der Tumor auf die Nierenvene, die Lymphknoten oder gar auf andere Organe ausgedehnt. In Abhängigkeit vom Gesamtbefund muss entschieden werden, ob die radikale Tumornephrektomie sinnvoll ist. Entscheidet man sich bei fortgeschrittenem Nierenzellcarcinom für die radikale Tumorentfernung des Primärtumors liegt der Vorteil in dieser Strategie darin, in gleicher Sitzung auch Metastasen enfernen zu können. Desweiteren kann durch Entfernung des Primärtumors die Lebensqualität des betroffenen Patienten verbessert werden. Schmerzen durch den Primärtumor, Infektionsgefahr und Blutungen werden somit verhindert. Unserer Ansicht nach sollte deshalb auch beim fortgeschrittenen Nierentumor die Entfernung des Primärtumors durchgeführt werden, da die Tumormasse im gesamten reduziert wird und andere Therapieverfahren wie Chemotherapie oder medikamentöse Therapie einen besseren Erfolg haben dürfen. Palliative Therapien beim fortgeschrittenen Nierenzellcarcinom sind die Chemotherapie, Strahlentherapie, z.B. bei Hirnmetastasen, sowie Immuntherapie. Diesen palliativen Therapien zeigen leider nur eine geringe Ansprechrate.

Umso wichtiger und hoffnungsvoller ist derzeit die medikamentöse Therapie beim fortgeschrittenen Nierenzellcarcinom mittels Sorafenib (Nexava). Durch diese medikamentöse Therapie kann bei metastasierendem Nierenzellcarcinom in den meisten Fällen ein Rückgang oder ein Stagnieren der Tumorprogression beobachtet werden. Das Nebenwirkungsprofil unter Sorafenib ist vergleichsweise akzeptabel (Nebenwirkungen: Überkeit, Durchfall, brennendes Gefühl an den den Fusssohlen, sowie Verhornungszeichen an der Handinnenseite und den Fusssohlen).

Harnblasencarcinom

Allgemeines
In Deutschland erkranken jedes Jahr neu an Harnblasenkarzinom ca. 16.000 Männer und Frauen. Hierbei handelt es sich um eine bösartige Erkrankung der Harnblasenschleimhaut (Urothel). Die Harnblasenschleimhaut kleidet die Harnblase inwändig aus. Das Harnblasencarcinom ist eine Erkrankung des 6. und 7. Lebensjahrzehnts. Sehr selten sind betroffene Patienten jünger als 40 Jahre.

Als Ursachen für diese Erkrankung sind Umweltfaktoren auch mit verantwortlich. Das Zigarettenrauchen wird etwa für 50 % aller Erkrankungsfälle bei Männern und ca.30 % der Erkrankungen bei Frauen verantwortlich gemacht. Der langjährige Kontakt mit bestimmten Chemikalien in der Textil-, Leder- und Farbindustrie steigert das Erkrankungsrisiko. Bestimmte Medikamente, sowie chronische Harnblasenentzündungen können das Entstehen des Harnblasencarcinoms fördern.

Symptome
Das Hauptsymptom des Harnblasenkarzinoms ist die schmerzlose Makrohämaturie. Hierbei zeigt sich eine Rotfärbung des Urins, eine Schmerzsymptomatik wird selten beschrieben.

Diagnostik
Bei der Diagnostik des Harnblasenkarzinoms steht an erster Stelle die Urinuntersuchung. Hierbei zeigen sich Erythrozyten (rote Blutkörperchen) im Urin. Laborchemisch steht uns seit geraumer Zeit auch ein Testverfahren (NMP 22) zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um ein Schnelltestsystem, womit ein Harnblasencarcinom mit hoher Sicherheit festgestellt werden kann, auch wenn es bisher zu keiner Makrohämaturie gekommen ist. Die weiteren diagnostischen Massnahmen sind Sonographie und Cystoskopie (Blasenspiegelung), hierbei steht allerdings die Cystoskopie  im Vordergrund. Mit der Harnblasenspiegelung lässt sich in der Harnblase die Ausdehnung des Befalls der Harnblasenschleimhaut durch das Harnblasencarcinom erkennen.

Therapie
Wird cystoskopisch der Verdacht auf ein Harnblasencarcinom gestellt, wird die TUR-Blase (transurethrale Resektion der Harnblase) durchgeführt. Hierbei wird durch ein endoskopisches Verfahren der Harnblasentumor abgetragen. Anhand der entnommenen Gewebsstücke  kann der Pathologie die Diagnose Harnblasencarcinom sowie die Ausbreitung des Harnblasencarcinomes genau feststellen.

Bei der Therapie des Harnblasencarcinoms werden oberflächliche Harnblasencarcinome von invasiven Harnblasencarcinomen unterschieden.

Therapie des oberflächlichen Harnblasencarcinoms
Ist die TUR-Blase durchgeführt, wird in Abhängigkeit von der Ausdehnung des oberflächlichen Harnblasencarcinoms ein Medikament über die Harnröhre in die Harnblase gegeben. Mit diesem Medikament wird die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens eines Harnblasencarcinoms deutlich gesenkt. Die Cystoskopie wird vierteljährlich zur Tumornachsorge und Ausschluß eines weiteren Rezidivs durchgeführt.

Therapie des invasiven Harnblasencarcinoms
Beim invasiven Harnblasencarcinom liegt eine Erkrankung der Harnblasenschleimhaut vor, die sehr schnell von der Schleimhaut auf die Muskulatur der Harnblase übergeht. In aller Regel muss die gesamte Harnblase (Cystektomie) entfernt werden. Ist die Tumorausbreitung auf die Harnblasenmuskulatur beschränkt und das Harnblasencarcinom hat noch keine anderen Organe mit befallen, kann ein Harnblasenersatzverfahren (Ileum-Neoblase) durchgeführt werden. Hierbei wird aus Dünndarm eine neue Harnblase rekonstruiert, die Harnleiter eingepflanzt, sowie die Annaht der Neoblase an die Harnröhre durchgeführt. Ein nahezu natürliches Wasserlassen ist möglich. Liegen fortgeschrittenere Befunde vor, kann es möglich sein diese Ileum-Neoblase nicht mehr durchführen zu können. Es wird dann oftmals eine Harnableitung über die rechte seitliche Bauchwand mit Beutelversorgung durchgeführt (Ileum-Conduit). Somit ist der Beckenraum frei für eine weitere Behandlung, z.B. die palliative Radiatio.

Prostatacarcinom

Allgemeines
Beim Prostatacarcinom handelt es sich in der westlichen Welt um die häufigste bösartige Tumorerkrankung des Mannes. Bei 8% aller Krebserkrankungen in Deutschland handelt es sich um ein Prostatacarcinom. Ein männlich neugeborenes Kind hat ein Risiko im Verlauf seines Lebens an einem klinisch manifesten Prostatacarcinom zu erkranken mit ca. 10 % Die Häufigkeit an einem Prostatacarcinom zu erkranken liegt zwischen dem 40. und 59. Lebensjahr bei ca. 10 %, zwischen dem 60. und 79. Lebensjahr bei ca. 70 % und ab dem 80. Lebensjahr bei 20 %. Möchte man sich die Häufigkeit der Erkrankung eines Prostatacarcinoms besser vorstellen , kann auch andersherum formuliert werden, dass auf ca. 100.000 Einwohner pro Jahr 30 neue Erkrankungsfälle kommen.

Diagnostik
Häufig wird eine sinnvolle Vorsorgeuntersuchung durchgeführt, d.h. Tasten der Prostata mit dem Finger, Sonographie und Durchführung des PSA-Wertes (Blutabnahme). So wird in aller Regel bei dieser Vorsorgeuntersuchung eine altersentsprechend unauffällige Prostata diagnostiziert. Die jährliche Vorsorgeuntersuchung ist sinnvoll. Zeigt sich ein Untersuchungsparameter auffällig, kann die Verdachtsdiagnose Prostatacarcinom geäußert werden. Zum Beispiel ein erhöhter PSA-Wert, eine Verhärtung der Prostata beim Tasten oder ein sonographisch auffälliger Befund sind suspekt. Die Prostatastanzbiopsie wird durchgeführt. In aller Regel wird diese sonographisch durch transrektalen Ultraschall durchgeführt. Hierbei werden 6 oder mehr Prostatastanzzylinder entnommen. Diese Prostatastanzzylinder werden vom Pathologen untersucht. Sollte sich durch die Diagnose des Pathologen ein Prostatacarcinom ergeben, wird weitere Diagnostik durchgeführt. Ziel der weiteren Diagnostik ist es, einen kurativen Ansatz für den betroffenen Mann zu finden. Hierbei steht die Heilung im Vordergrund. Welches Threapieverfahren dann das geeignete ist, zeigen weitere Anschlußuntersuchungen, ein Knochenszintigramm, ein Computertomogramm (CT) oder eine Kernspinuntersuchung können sinnvoll sein. Durch diese Folgeuntersuchungen kann das lokal begrenzte Prostatacarcinom vom lokal fortgeschrittenen oder bereits metastasierten Prostatacarcinom unterschieden werden. Beim lokal begrenzten Prostatacarcinom zeigen sich Knochenszintigramm, CT oder Kernspinuntersuchung unauffällig.

Beim lokal fortgeschrittenen Prostatacarcinom wird z.B. durch die Kernspinuntersuchung oder die Computertomographie der Verdacht auf eine Kapselüberschreitung und Infiltration in ein Nachbarorgan geäußert. Das Knochenszintigramm zeigt sich ebenfalls unauffällig. Kein Anhalt für knöcherne Metastasierung.

Das metastasierende Prostatacarcinom zeigt im Knochenszintigramm einen Befall. Hierbei sind bereits Prostatacarcinomzellen aus der Prostata über den Blutweg in die Knochen gekommen und zeigen dort eine zerstörende Wirkung.

Therapieoptionen
Um eine angemessene und patientenorientierte Therapieentscheidung treffen zu können, muss entschieden werden, ob einer kurativer Ansatz (heilender Therapieversuch) oder palliativer Therapieansatz (Eindämmung oder Verzögerung des Tumorprogresses) durchgeführt werden kann.

Watchful waiting
Ein Prostatacarcinom  wurde als Zufallsbefund (z.B. nach TUR-Prostata) entdeckt. Diese incidente Prostatacarcinom konnte durch alle Voruntersuchungen beim Patient nicht diagnostiziert werden.  Liegt hier nur ein geringer Carcinomanteil oder eine geringe Malignitätsstufe (Grad der Bösartigkeit) vor, so ist es durchaus möglich diesen Patienten durch regelmässige Kontrollen ( Sonographie; PSA-Wert) zu kontrollieren und keiner weiteren therapeutischen Massnahme zuzuführen. Desweiteren muss sicherlich bedacht werden, dass Patienten mit höherem Lebensalter (über 80 Jahre) teilweise von einer Therapie mehr Nachteile haben als von der kontrollierten Beobachtung.

Therapie des lokal begrenzten Prostatacarcinoms
Das lokal begrenzte Prostatacarcinom wird nach der bisher vorliegenden Datenlage der Operation zugeführt. Hierbei kommt die radikale Prostatektomie als offene Operation (Bauchschnitt) oder lapraskopische Operation (Schlüssellochoperation) in Frage. Die radikale Prostatektomie ist ein Therapieverfahren für den Mann jünger als 70 Jahre, welches ihm die Chance auf Heilung bietet. Hierbei werden Prostata und Samenbläschen radikal und komplett entfernt. Die Harnblase auf den Schließmuskel wieder aufgenäht, so dass die Kontinuität der Harnableitung erfolgt ist. Zusätzlich werden bei dieser Operation die Lymphknotenstationen untersucht und auffällige Lymphknoten entfernt. Bezüglich der Operationstechnik kann die radikale Prostatektomie als Bauchschnitt oder laparoskopisch durchgeführt werden. Die Operationsergebnisse sind bezüglich Risiko und Erfolg ähnlich. Beide Therapieverfahren sind zu empfehlen. Die radikale Prostatektomie zeigt folgenden Vorteil: Männer unter 70 Jahren haben mit dieser Therapie die Chance auf 100 %ige Heilung!

Strahlentherapie
Bei der perkutanen Strahlentherapie liegt ein Verfahren vor, welches sehr gut das Prostatacarcinom therapieren kann. Von unserer Seite aus wird die perkutane Strahlentherapie dann empfohlen, wenn die Operatibilität aufgrund von Nebenerkrankungen bei einem Mann  nicht mehr gegeben ist oder die Altersgrenze für eine radikale Prostatektomie überschritten ist.
Einschlußkriterium für die Strahlentherapie ist im Allgemeinen ein Malignitätsgrad der Prostatacarcinomzellen bis Gleason 7. Bei der Strahlentherapie wird in aller Regel eine Dosis von 65 – 70 gy appliziert. Die gesamte Dauer der Strahlentherapie beläuft sich über 6 Wochen. Wobei an den Werktagen täglich ca. 1,5 Gy appliziert werden.
Die Behandlungsart ist für den Patienten nicht schmerzhaft. Einige Patienten berichten nach ca. 3-4 Wochen über eine leichte Müdigkeit. Die Prostata ist von Darm und Harnblase umgeben, deshalb kann es während der Strahlentherapie zu einem akuten Reizsyndrom von Darm und Harnblase durch die applizierte Strahlenmenge kommen. Wie bei der radikalen Prostatektomie erleiden auch ca. 45 % der bestrahlten Männer einen Potenzverlust.

Brachytherapie
Bei der Brachytherapie werden radioaktive Jod-125 Stifte über eine Hohlnadel in die Prostata eingebracht. Unter sonographischer Kontrolle werden diese Stifte appliziert. Dieses Verfahren wird in Voll- oder Teilnarkose durchgeführt. Das Prostatacarcinom wird somit von innen durch die abgegebene Radioaktivität aus diesen Seeds-Stiften behandelt. Nach ca. 60 Tagen halbiert sich die Strahlungsaktivität der Seeds-Stifte. Der Strahlentherapeut wird Sie über adäquate Vorsichtsmassnahmen bezüglich des Strahlenschutzes informieren. Von Kontakt mit schwangeren Frauen und Kleinkindern wird in den nächsten 2-3 Monaten abgeraten.
Unserer Ansicht nach kommt die Brachytherapie dann in Frage, wenn es sich sicher um einen lokal begrenzten Tumor handelt und die Miktionsverhältnisse bisher unauffällig sind. Risiko bei der Brachytherapie ist der akute Harnverhalt oder die Verschlechterung der Miktionsverhältnisse. Gelegentlich wird eine Katheterdauereinlage benötigt. Dieses Verfahren zeigt ein Risiko für Impotenz bei ca. 40 – 50 %.

Hormontherapie
Prostatacarcinomzellen können ihr Wachstumsverhalten dann steigern, wenn genügend männliches Hormon (Testosteron) vorhanden ist. Wird dieses Hormon entzogen, wird das Wachstum der Prostatacarcinomzellen stark gebremst. Die Prostatacarcinomzellen verfallen also in einen Tiefschlaf. Dieses Verfahren wäre für die Behandlung der Prostatacarcinomzellen optimal, wenn nicht nach einigen Jahren eine Resistenz gegen diese Hormonbehandlung auftreten würde und die Prostatacarcinomzellen dann wieder zu wachsen beginnen und nicht mehr auf diese Hormontherapie reagieren.

Prinzipiell ist diese Hormontherapie in 2 Verfahren durchzuführen:
chirurgische Kastration: Hierbei wird das Hodengewebe aus der Hodenkapsel herausgeschält. Somit das Hodengewebe bds. entfernt.
Bei der medikamentösen Kastration wird ein Medikament in Spritzen oder Tablettenform verabreicht. Der Wirkmechanismus dieses Medikamentes wirkt über den Hypothalamus und die Hypophyse im Gehirn zu einer Blockade der hormonbildenden Wirkstoffe im Körper. Der Hoden ist somit nicht mehr in Lage männliches Hormon zu bilden. Alle 3 Monate wird die Spritze erneut in das Unterhautfettgewebe verabreicht. Die Therapie kann kontinuierlich durchgeführt werden oder intermittierend. Die intermittierende Hormontherapie zeigt oftmals weniger Nebenwirkungen.
Die Hormontherapie wird denjenigen Patienten angeboten, die bereits eine Metastasierung in der Diagnostik zeigen und sämtliche o.g. Therapieverfahren ausscheiden müssen. Desweiteren sind wir der Ansicht, dass die Hormontherapie des Prostatacarcinoms für Patienten über 75 Jahre prinzipiell ein sehr gutes Therapieverfahren darstellt.

Die Risiken der Hormontherapie sind ansteigendes Körpergewicht durch vermehrte Wassereinlagerung, Hitzewallungen durch den Testosteronentzug. Im gesamten aber gesehen, stellt die Hormontherapie ein risikoarmes Verfahren dar.

Chemotherapie
Bei weit fortgeschrittenem Prostatacarcinom mit Metastasenbildung ist die Chemotherapie dann indiziert, wenn die Hormontherapie nicht mehr die gewünschte Wirkung zeigt. Wir sprechen also vom hormonrefraktärem Prostatacarcinom (HRPC). Hierbei wird von unserer Seite vor allem Taxotere als Infusionstherapie empfohlen.

Weitere Therapiemöglichkeiten in der Zukunft
Derzeit werden neue Medikamente in Phase 2 und Phase 3 Studien untersucht. Hierbei sind vor allem Thyrokinasehemmer und Neoangiogenesehemmer Gegenstand der Studien.

Peniscarcinom

Allgemeines
Bei Penistumoren im spezielleren bei Peniskarzinomen handelt es sich um sehr seltene Erkrankungen. In der Bundesrepublik Deutschland tritt diese Erkrankung pro Jahr bei ca. 600 Patienten auf. In einzelnen Ländern in Asien und Afrika ist diese Erkrankung weitaus häufiger anzutreffen. Männer in Uganda erkranken z.B. 100 mal häufiger als die beschnittene Bevölkerungsgruppe im Vergleich. In manchen Teilen Asiens ist das Peniscarcinom die 5. häufigste bösartige Erkrankung beim Mann.  Wird in Bevölkerungsgruppen die Beschneidung bereits im Kindesalter durchgeführt, ist die Erkrankung Peniscarcinom nahezu unbekannt!
Die Erkrankung tritt häufig zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf.

Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass Virusinfektionen, z.B. die des humane Papilloma Virus (HPV Genotyp 16 und 18) für das Peniscarcinom ursächlich scheinen. Desweiteren sind als Risikofaktoren chronische Vorhautentzündung (Balanitis), Vorhautverengung (Phimose), Nikotin, sowie unterschiedliche Präkanzerosen (M. Bowen, M. Queyrat, Leukoplakie und Buschke-Löwenstein-Tumor) anzusehen.

Diagnostik
Ein Penistumor/Peniscarcinom wird hauptsächlich durch das Betrachten und Betasten erkannt. Im Anschluß wird in einem geeigneten Narkoseverfahren eine Gewebsprobe aus dem suspekten Gewebsbereich entnommen. Diese Gewebsprobe wird vom Pathologen untersucht. Die Diagnose ist jetzt eindeutig feststellbar.

Wurde die Diagnose Peniscarcinom gestellt, erfolgen weitere diagnostische Massnahmen: Röntgen, Sonographie, Laboruntersuchungen, sowie Computertomographie, auch PET-CT zur Lymphknotendiagnostik. Durch diese Verfahren kann die Ausdehnung des Tumorleidens festgestellt werden. Das Peniscarcinom neigt zur lymphogenen Metastasierung, d.h. bösartige Tumorzellen werden über die Lymphbahnen zu den Lymphknoten im Bereich der Leiste oder anderen Körperregionen transportiert. Für eine gute Therapie ist das Ausdehungsmass der befallenen Lymphknotenregionen, sowie anderer Organe wichtig.

Therapieoptionen

Operative Therapie
Die operative Therapie ist prinzipiell das Mittel der ersten Wahl. Die chirurgische Excision des Primärtumors zeigt gute Erfolge. Beim operativen Vorgehen werden prinzipiell zwei Operationsstrategien verfolgt.

Kleinvolumigen Peniscarcinom ohne Lymphknotenbefall, ohne Metastasierung
Bei einen kleinvolumigen Peniscarcinom wird versucht organerhaltend zu operieren. Hierbei wird der Tumor excidiert (ausgeschnitten). Diese chirurgische Massnahme ist oft ausreichend und bedarf dann der engmaschigen Kontrollen. Nicht zuletzt wird bei diesem Verfahren auch die Lasertherapie eingesetzt.

Großvolumiges Peniscarcinom mit Lymphknotenbefall oder Organmetasasierung
In Abhängigkeit von der Ausdehung des großvolumigen Peniscarcinoms wird die Penisteil- oder Komplettamputation durchgeführt. Besteht aufgrund der diagnostischen Massnahmen der V.a. Lymphknotenbefall, werden die Lymphabflußgebiete im Leistenbereich beidseits ausgeräumt. Hierbei spielen die sogenannten „sentinentel“ Lymphknoten  eine wichtige Rolle.

Strahlentherapie
Bei Wunsch auf Organerhaltung ist die Strahlentherapie möglich. Hierbei werden 45 – 65 Gy auf den Tumor appliziert. In aller Regel sollte die Tumorausbreitung bei Peniscarcinomen nicht über 4 cm sein. Die Strahlentherapie zeigt allerdings eine nicht unerhebliche Rezidivrate.

Chemotherapie
Die Chemotherapie erzielt weder bei Mono- oder Polychemotherapie zufrieden stellende Langzeitremissionen. Unserer Ansicht nach sollte die Indikation zur Chemotherapie nur in ganz speziellen Fällen gestellt werden.