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Blasenschmerzen

Das seltene Blasenschmerzsyndrom wird diagnostiziert, wenn Schmerzen, Druckgefühl oder anderweitige Missempfindungen im Bereich der Harnblase, starker und anhaltender Harndrang sowie häufiges Wasserlassen chronisch - das heißt, mindestens sechs Wochen lang - auftreten, ohne dass eine Infektion, Harnsteine oder andere „klassische“ Erkrankungen der Harnwege oder Fortpflanzungsorgane festgestellt werden können.

Frauen häufiger betroffen

Das Blasenschmerzsyndrom betrifft Frauen neun Mal häufiger als Männer und kann in allen Altersklassen auftreten. Viele Betroffene stehen durch die Schmerzen, die häufigen Toilettengänge, den oft unterbrochenen Nachtschlaf und nicht selten viele, ergebnislose Arztbesuche und Behandlungsversuche unter erheblichem Leidensdruck.

Häufig treten parallel andere Erkrankungen wie Endometriose, Reizdarm, Gefäß- und Gelenkentzündungen oder chronisches Erschöpfungssyndrom auf.

Eine erste von der Deutschen Gesellschaft für Urologie in Auftrag gegebene, von Fachärzten erstellte Leitlinie zum Thema Blasenschmerzsyndrom ist gerade erst 2018 erschienenen, eine weltweit einheitliche Definition der Erkrankung existiert noch gar nicht.

Ursachen von Blasenschmerzen

Überschneidungen existieren mit der Symptomatik der überaktiven Blase (gesteigerter Harndrang und häufiges Wasserlassen ohne Schmerzen) und der interstitiellen Zystitis, einer Entzündung der Blasenschleimhaut, die nicht durch Bakterien hervorgerufen wird. Oft werden die Begriffe Blasenschmerzsyndrom und interstitielle Zystitis auch synonym verwendet.

Wirklich verstanden sind diese Blasenleiden bislang nicht. Als mögliche Ursachen diskutiert werden unter anderem eine angeborene oder erworbene Fehlfunktion der Blasenschleimhaut, Übererregbarkeit des vegetativen Nervensystems (das sind die nicht willentlich beeinflussbaren Nerven, welche die Funktion der inneren Organe steuern), Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Fehlfunktionen der Beckenbodenmuskulatur und ein Zusammenhang mit dem Reizdarmsyndrom (das bei Betroffenen häufig ebenfalls auftritt).

Es gibt keinen diagnostischen Test, der das Vorliegen eines Blasenschmerzsyndroms eindeutig belegen kann. Die Diagnose ist also eine Ausschlussdiagnose, bei der es darum geht, nachzuweisen, dass keine klassischen Erkrankungen des Harntrakts oder der Fortpflanzungsorgane die Symptome verursachen.

Ablauf der Diagnosestellung

Am Anfang der Diagnostik stehen eine Tastuntersuchung zur Lokalisation der Schmerzen und Urinuntersuchungen. Sinnvoll sind Ultraschalluntersuchungen der Blase, überwiegend zum Ausschluss von Harnsteinen, und eine Uroflowmetrie bei Männern, die Hinweise auf Prostataprobleme geben kann.

Wird die Harnblase durch einen Katheter mit Kaliumchloridlösung gefüllt, löst dieser sogenannte Kaliumchlorid-Test (ein potentiell sehr unangenehmer und daher umstrittener Test, der die Blase eindeutig als Quelle der Symptome identifiziert) bei vielen Blasenschmerzsyndrom-Patienten intensive Schmerzempfindungen aus, während Patienten mit gesunder Blase nichts spüren.

Eine wichtige Rolle in der Diagnostik von Blasenschmerzen spielen die Wahrnehmungen des Patienten selbst. Hier kommen spezielle Fragebögen und ein Miktionstagebuch zum Einsatz. Bei einer Blasenspiegelung wird die Blasenschleimwand auf Entzündungszeichen und Anomalien untersucht, und kleine Proben (Biopsien) werden entnommen. 

Sinnvoll ist weiterhin die sogenannte Hydrodistension der Blase: Hier wird die Harnblase in Kurznarkose durch den Schlauch des Endoskops mit steriler Flüssigkeit prall aufgefüllt. Auf diese Weise lassen sich weitere diagnostische Einblicke gewinnen (winzige Blutungen oder Risse in der Blasenschleimhaut bei Dehnung) und das maximale Füllvolumen der Blase bestimmen.

Als diagnostische Nachweise eines Blasenschmerzsyndroms / einer Interstitiellen Zystitis gelten folgende bei der Blasenspiegelung bzw. Biopsie erhobene Befunde:

Hunner-Läsionen (kleine Geschwüre der Blasenschleimhaut)

Glomerulationen (punktförmige Schleimhautblutungen)

Hinweise auf Entzündungsprozesse in der Gewebeprobe: erhöhte Anzahl von Mastzellen – ein bestimmter Typ von Immunzellen – bei negativem Bakterienbefund

Das Problem ist nur, dass diese eindeutigen Zeichen bei der Mehrheit der an unklaren chronischen Blasenschmerzen leidenden Patienten gar nicht festgestellt werden können.

Therapie des Blasenschmerzsyndroms

Eine Heilung des Blasenschmerzsyndroms in dem Sinne, in dem viele klassische Erkrankungen des Harntrakts durch medizinische Eingriffe geheilt werden können, ist nicht möglich. Jedoch können viele Patienten mit einem Mosaik aus unterschiedlichen Maßnahmen – Medikamente, Ernährungsumstellung, Physiotherapie, Alternativmedizin, psychologische Betreuung – ein Gutteil Lebensqualität zurückgewinnen; es kommt vor, dass die Symptomatik nach einiger Zeit konsequenter Behandlung einfach abebbt.

Als erfahrene Urologen sind Dr. Armbruster und Dr. Gärtner Ihre Ansprechpartner bei Blasenschmerzen.

Häufig gestellte Fragen zu Blasenschmerzen

Für die Behandlung des Blasenschmerzsyndroms brauchen Sie zunächst eines: Geduld. Es gibt keine Therapie, die bei allen Patienten wirkt, und es können einige erfolglose – und leider auch zeitaufwändige – Testläufe nötig sein, bis die optimale Kombination von Behandlungen für Ihren Fall gefunden ist.

Priorität hat die Linderung der Schmerzen. Sprechen Patienten auf unterschiedliche orale Schmerzmedikamente nicht an, können längerfristig wirksame Lokalanästhetika über einen Katheter in die Harnblase gebracht oder in der Blasenregion injiziert werden. Auch schmerzmittelhaltige Pflaster zur lokalen Anwendung sind eine Option.

Mittlerweile steht eine Reihe von Medikamenten zur oralen Anwendung zur Verfügung, die den Zustand der Blasenschleimhaut und die Schmerz- und Harndrangsymptomatik günstig beeinflussen können. 

Bei Blasenschmerzsyndrom mit Glomerulationen und/oder Hunner-Läsionen ist Pentosanpolysulfat das Arzneimittel der ersten Wahl: Die Substanz repariert vermutlich die schützende Schleimschicht der Blasenauskleidung. 

Erwogen werden können weiterhin bestimmte Antidepressiva, die die Schmerzleitung im zentralen Nervensystem modulieren, Antihistaminika und Immunsuppressiva, die das Entzündungsgeschehen in der Blasenschleimhaut beeinflussen, sowie Muskelrelaxantien, die die Blasen- und Beckenmuskulatur entspannen.

Die Hydrodistension der Harnblase ist nicht nur diagnostisch wertvoll, sondern hat auch einen wichtigen Platz in der Therapie des Blasenschmerzsyndroms. Die kontrollierte Dehnung der Blase führt bei etwa der Hälfte der Patienten zu einer Monate anhaltenden Besserung der Blasenschmerz- und Drangsymptomatik – offenbar triggert die Dehnung und Spülung der Blasenwand eine Regeneration von Schleimhaut und Nerven.

Gute Erfahrungen gibt es weiterhin mit der sogenannten Instillationstherapie: Dabei werden Medikamente über einen Katheter direkt in die Harnblase gebracht. In Frage kommen Lokalanästhetika (Lidocain), antientzündliche Medikamente (Cortison), Schleimstoffe, die eine Schutzschicht auf der Blasenschleimhaut bilden (Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat, Heparin) und Natriumhydrogencarbonat (macht den Urin basisch), oft auch in Kombinationen.

Eine der wirksamsten Therapien des Blasenschmerzsyndroms ist die EMDA-Methode (Electromotive Drug Administration), eine Variante der Instillationstherapie. Hier wird durch den Katheter zusätzlich eine Elektrode in die Blase eingeführt, eine zweite Elektrode befindet sich außerhalb des Körpers am Unterbauch. Das elektrische Feld zwischen den beiden Elektroden verbessert die Aufnahme der in die Blase geleiteten Wirkstoffe.

Ergänzend können Physiotherapie für die Beckenbodenmuskulatur, Blasentraining und eine Ernährungsberatung, bei der Lebensmittelunverträglichkeiten aufgespürt werden, sehr nützlich sein. Auch alternativmedizinische Methoden wie Akupunktur, mikrobiologische Therapie (Behandlung mit nützlichen Bakterien), Neuraltherapie (Injektion kleinster Mengen Lokalanästhetika) und orthomolekulare Therapie (hochdosierte Vitamine und Mineralstoffe) haben schon manchem Patienten geholfen.

Mit Blasenschmerzen, die länger als einige Tage andauern, sollten Sie grundsätzlich zeitnah einen Arzt aufsuchen. Die wahrscheinlichste Ursache ist allerdings ein behandlungsbedürftiger Harnwegsinfekt, und der Hausarzt wird Ihre Symptome mit gutem Grund zunächst auch einfach als solchen deuten und therapieren. Mit wiederkehrenden oder chronischen Blasenschmerzen, die auf Antibiotika nicht ansprechen, ist deshalb die regelmäßige fachärztliche Betreuung durch einen Urologen, der Ihren Fall kennt, extrem wichtig.

Es ist nachgewiesen, dass Behandlungen des Blasenschmerzsyndroms umso bessere Erfolge zeigen, je früher sie begonnen werden: Chronische Schmerzsymptomatiken sind ein Teufelskreis, der gar nicht früh genug unterbrochen werden kann! Zögern Sie nicht, eine Zweitmeinung einzuholen, wenn Sie sich nicht ernst genommen fühlen. Es gibt auch Zentren, die auf die Behandlung von Interstitieller Zystitis / Blasenschmerzsyndrom spezialisiert sind.

Ist Ihre Blase kerngesund, und Sie trinken einen oder ein paar Tage lang zu wenig, weiß die Medizin von keinem Grund, aus dem es allein deshalb zu Blasenschmerzen kommen könnte.

Wenn die Schleimhaut Ihrer Blase allerdings nicht ganz intakt ist, kann der konzentrierte Urin, der entsteht, wenn Sie zu wenig trinken, tatsächlich unmittelbar Schmerzen auslösen. Neigt Ihre Blase zu Entzündungen und weist wahrscheinlich bereits eine Population pathogener Bakterien auf, kann das Ausbleiben regelmäßiger Blasenspülungen durch frischen wässrigen Urin diesen Bakterien noch einen kleinen Extravorteil verschaffen und eine asymptomatische Infektion in eine schmerzhafte Blasenentzündung verwandeln.

Im Übrigen: Zu wenig trinken ist nie eine gute Idee. Ganz abgesehen von allen anderen Funktionen, für die unser Körper Wasser benötigt, ist regelmäßiges „Durchspülen“ auch für die Gesundheit der Harnwege unverzichtbar. Trinken Sie gewohnheitsmäßig zu wenig, wächst das Risiko von Blasenentzündungen und Harnsteinen.

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